Den Islam leben

Im vorigen Abschnitt haben wir kurz über die Bedeutung des Lernens des Islam gesprochen. Der Zweck des Lernens des Islam ist es, ihn zu leben. Denn Wissen, das nicht gelebt wird, hat keinen Wert. Erst wenn das erworbene Wissen umgesetzt wird, bekommt es Sinn.

Ein Muslim, der islamisches Wissen erworben hat, es aber nicht umsetzt, gleicht einem Menschen, der die Medikamente auf dem Rezept für seine Krankheit sehr gut kennt, sie aber nicht einnimmt.

Vergleichen wir den Glauben mit einem Samenkorn, dann gleicht die Umsetzung der islamischen Grundsätze – im Bereich des Gottesdienstes ebenso wie der Moral und des Umgangs miteinander – dem Keimen, Ergrünen, Blätter- und Fruchttragen dieses Samens. Wer glaubt, seinen Glauben aber nicht lebt, gleicht jemandem, der sich im Kopf schöne Dinge ausdenkt, sie aber nicht umsetzt.

Um den Glauben gesund zu bewahren, das Glück in dieser Welt und im Jenseits zu erlangen und letztlich Frieden zu finden, muss der Gläubige eine geistige Verbindung zum erhabenen Gott herstellen und diese Verbindung aufrechterhalten. Denn der Mensch kann nur dadurch, dass er Gott kennt und ihm dient, vollkommenen Frieden finden. Sonst empfindet er in seiner Seele stets eine Leere und eine Bedrängnis. Denn wie wir oben gesagt haben: So wie wir, um unser körperliches Dasein gesund zu erhalten, biologische Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Schlafen erfüllen müssen, brauchen wir den Gottesdienst, um die Lebendigkeit unserer Seele zu bewahren und unsere geistigen Fähigkeiten zu entfalten.

Nach dem Glaubensbekenntnis die Erfordernisse dieses Glaubens nicht zu erfüllen, wäre ein Widerspruch. Um Frieden zu finden, muss man Widersprüche überwinden. Denn man kann sich nicht vorstellen, dass ein Mensch, der in Widersprüchen taumelt, Frieden findet.

Muslim zu sein besteht nicht in einer Änderung von Kleidung und äußerer Form oder darin, bloß einige Worte zu sagen. Es ist eine Gesinnung. Deshalb bemüht sich der Gläubige, die Religion, die Gott mit dem letzten Propheten Muhammad vollendet hat, von Herzen und aufrichtig anzunehmen und zu leben.

Der Gottesdienst ist einer der wichtigsten Indikatoren dafür, ob jemand, der sagt, er sei Muslim, in dieser Behauptung aufrichtig ist. Denn nach dem Glaubensbekenntnis entsteht das Bedürfnis nach Gottesdienst von selbst. Ist es möglich, die Existenz einer unendlichen Macht anzuerkennen, die uns aus dem Nichts erschaffen hat, uns mit tausenderlei Gaben überhäuft und deren Barmherzigkeit, Wissen und Kraft jedes Teilchen umfasst, und ihr gegenüber keine unendliche Bewunderung und Dankbarkeit zu empfinden? Der Gottesdienst ist eben das Mittel, mit dem der Diener diese Bewunderung und Dankbarkeit ausdrückt. Gottesdienst besteht nicht nur aus bestimmten Formen und äußeren Bewegungen. Im Gottesdienst kommt es auf das Wesentliche an. Ein Gottesdienst ohne Demut ist hohl.

Ein aufrichtiger Gläubiger bedenkt, ob jede seiner Handlungen und Verhaltensweisen Gottes Wohlgefallen entspricht. Handelt er so, wird jede erlaubte Handlung, die er vollzieht, den Rang eines Gottesdienstes bekommen.

Im Islam braucht man beim Eintritt in den Islam, beim Gottesdienst und beim Bittgebet keinen Vermittler. Jeder Mensch kann sich unmittelbar an Gott wenden und ihn anflehen. Er kann Gottesdienst verrichten. Auch die Befugnis, Sünden zu vergeben, liegt allein beim erhabenen Gott. Außer Gott kann niemand Sünden vergeben. Auf den folgenden Seiten werden kurz die Gottesdienste im Islam erläutert.

Sich mit der islamischen Moral zu schmücken ist ebenfalls einer der wichtigsten Teile des gelebten Islam. Man kann sagen: In keiner Religion und in keinem Denksystem wird der guten Moral so viel Bedeutung beigemessen wie im Islam. Der Prophet Muhammad (s.a.v.) sagte sogar: „Ich bin nur gesandt worden, um die sittlichen Tugenden zu vervollkommnen.“ Deshalb muss es eines der grundlegenden Ziele eines Muslims sein, seinen Charakter zu verschönern. Zu diesem Zweck muss der Gläubige die persönlichen und gesellschaftlichen Aufgaben lernen, die der Islam von ihm verlangt, sich infolgedessen mit schönen Verhaltensweisen schmücken und von hässlichen Gewohnheiten fernhalten.

Auch über die islamische Moral wird auf den folgenden Seiten kurz informiert.