Der Islam

Die Vollendung der wahren Religion
Die wahre Religion begann mit dem ersten Menschen und ersten Propheten, Adam. Im Grundsatz hat sich an den Grundprinzipien der wahren Religion nichts geändert. Je nach Veränderung und Entwicklung der Fähigkeiten, der Zeit und des Ortes sowie der sozialen Verhältnisse haben sich jedoch die Formen des Gottesdienstes und einige Bestimmungen verändert. Mit den Grundsätzen, die die Propheten brachten, haben sich die Menschen weiterentwickelt, die Gedanken sind gereift und die Zivilisation ist vorangeschritten; Gott (c.c.) hat auch die Religionen, die er durch seine Propheten offenbarte, vervollkommnet, und diese Vervollkommnung hat im Islam, über Judentum und Christentum hinaus, ihre Vollendung gefunden. Ebenso haben die göttlichen Bücher, die mit Blättern begannen, über Tora und Evangelium hinaus im Koran ihren Abschluss gefunden, dem ewigen Wunder, das bis zum Jüngsten Tag bestehen wird. Danach wird kein göttliches Buch mehr kommen, und der Koran wird bis zum Jüngsten Tag der Wegweiser der Menschheit sein. Der Islam ist die letzte der wahren Religionen.
Er wurde nicht einer bestimmten Gemeinschaft, sondern der gesamten Menschheit gesandt. Als der Punkt der Vollendung der wahren Religion wird er bis zum Jüngsten Tag die wahre Religion bleiben, der die Menschheit folgt. Der Islam bestätigt die Grundlagen der früheren wahren Religionen. Seit dem Kommen des Islam besteht jedoch kein Bedarf mehr an ihnen. Auch nach der Herabsendung des Korans besteht kein Bedarf mehr an anderen göttlichen Büchern. Denn der Koran hat die Grundprinzipien der wahren Religion, die auch die anderen Bücher enthalten – den Glauben an Gottes Dasein und Einheit, an seine Propheten, seine Bücher, seine Engel, den Jüngsten Tag und daran, dass alles durch Gottes Bestimmung geschieht, sowie den Schutz von Leben, Eigentum, Nachkommenschaft, Verstand und Religion – erneut dargelegt, die Wahrheiten der früheren Bücher bestätigt und das Verfälschte berichtigt.
Weil der Islam die letzte wahre Religion ist, wurden die Grundprinzipien der wahren Religion eindeutig dargelegt, und Bestimmungen, die sich je nach Zeit und Ort ändern können, wurden der eigenständigen Rechtsfindung (Idschtihad) der Gelehrten überlassen. Eben diese Eigenschaft sorgt dafür, dass der Islam bis zum Jüngsten Tag Bestand hat und in jedem Jahrhundert seine Eigenschaft als wahre Religion bewahrt.

Der Eintritt in den Islam
Der Eintritt in den Islam geschieht durch den Glauben (Iman). Glauben bedeutet, alles, was Gott der Erhabene Muhammad offenbart hat und was dieser den Menschen überbracht hat und was sicher feststeht, ohne Zögern zu glauben und zu bejahen. Die Grundlage des Glaubens ist eben dieses Annehmen und Bejahen.
Wer Muslim werden will, bringt dieses Annehmen und Bejahen mit dem Satz zum Ausdruck: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad sein Diener und Gesandter ist“ („Eşhedü en lâ ilâhe illallâh ve eşhedü enne Muhammeden abdühû ve resûlüh“). Dieser Satz wird „Kelime-i Şehadet“ (Glaubensbekenntnis) genannt.

Glauben heißt, wissentlich, willentlich und aus Überzeugung zu glauben. Wer diesen Satz nur mit der Zunge spricht, ohne im Herzen zu glauben, hat nicht geglaubt. Wer das Glaubensbekenntnis spricht, hat das letzte göttliche Buch, den Koran, als Ganzes angenommen und alles, was Gott dem letzten Propheten Muhammad durch Offenbarung mitgeteilt hat und was dieser den Menschen überbracht hat, vollständig akzeptiert. Daher ist es neben dem Glauben an Gottes Dasein und Einheit eine Bedingung des Glaubens, an das Dasein der Engel, an die Wahrheit der von Gott gesandten Bücher, an die Propheten, an den Jüngsten Tag, daran, dass alles durch Gottes Bestimmung geschieht – kurz: an alles zu glauben, was der Koran und unser Prophet Muhammad klar und eindeutig mitgeteilt haben. Das Glaubensbekenntnis ist ein Schlüsselsatz, der das Annehmen und Bejahen all dessen insgesamt ausdrückt. Deshalb ist das Glaubensbekenntnis wie der Abschluss eines Vertrags über den Eintritt in den Islam. Der Mensch, der diesen Vertrag schließt, hat Gott ein großes Versprechen gegeben und sich damit einverstanden erklärt, seine Gebote ohne Zögern anzunehmen und zu erfüllen und sich von seinen Verboten fernzuhalten.

Alle Geschöpfe bezeugen den Vertrag, den wir durch das Sprechen des Glaubensbekenntnisses schließen. Wenn wir diesen Vertrag brechen, wird alles auf der Erde und im Himmel, das bezeugt hat, dass wir von unserem Wort abgewichen sind oder dem Vertrag zuwidergehandelt haben, vor Gott gegen uns Zeugnis ablegen.

Außerdem werden wir mit diesem Vertrag Mitglied der muslimischen Gemeinschaft. Die Eheschließung mit Muslimen, das Empfangen und Geben von Zakat, jede Art von Solidarität mit Muslimen fallen in den Rahmen dieses Vertrags.

Zum Glauben kann niemand gezwungen werden. Wer in den Islam eintreten will, tritt aus eigenem Willen ein. Vor dem Glauben kann man forschen und für jeden Zweifel und jede Unsicherheit im Kopf eine Antwort suchen. Doch nach dem Glauben muss man, um ein guter Gläubiger, ein guter Muslim zu sein, jeden Zweifel aus dem Herzen entfernen. Denn Glaube und Zweifel gehen nicht zusammen. Deshalb muss der Glaube so tief im Herzen des Menschen Wurzeln schlagen, dass er ihn von Verhaltensweisen abhält, die dem Islam widersprechen, und dass sich seine Gesinnung, seine Moral und sein Verhalten nach dem Islam formen.

Für den Eintritt in den Islam braucht es keinen Vermittler. Jeder kann von selbst in den Islam eintreten, indem er an das oben Genannte glaubt. Andere können ihm dabei nur helfen, indem sie ihm Informationen geben. Wer in den Islam eintritt, hat die Quelle erreicht, die ihm vollkommene Klarheit des Glaubens verschafft. Nach einem so bedeutenden Glaubenswechsel sollte bei der ersten Gelegenheit auch eine Ganzkörperwaschung (Ghusl) vorgenommen werden. Der Ghusl wird weiter unten erläutert.