Die Grundlagen des Islam

Einige grundlegende Informationen über die islamische Religion

Die Muslime machen ein Viertel der Weltbevölkerung aus. Der Islam hat sich heute über fünf Kontinente verbreitet. Der islamischen Religion verdankt die Weltzivilisation sehr große Beiträge. Um den Islam in seinen verschiedenen Aspekten kennenzulernen, muss man anerkannte Werke heranziehen, die diese Religion in ihren verschiedenen Aspekten vorstellen. Die Absicht dieser kleinen Broschüre ist es lediglich, durch sehr knappe Informationen zu den Grundlagen des Glaubens, des Gottesdienstes und der Moral des Islam einen ersten Eindruck zu geben.

Islam: „Islam“ ist ein arabisches Wort. Seine Wurzel geht auf das Wort „silm (selm)“ zurück, das „Frieden“ bedeutet. Im Wörterbuch bedeutet es Gehorsam, Unterwerfung. Es bedeutet, Gott ohne jeden Zwang aus dem Herzen und aufrichtig zu gehorchen, sich ihm hinzugeben und sich seinen Geboten und Verboten bedingungslos zu fügen.

Islam bedeutet, alles anzunehmen, was Gott der Erhabene dem letzten Propheten Muhammad durch Offenbarung mitgeteilt und dieser den Menschen überbracht hat, es zu leben, mit Worten und Taten zu zeigen, dass man es annimmt, und Gott und seinem Gesandten zu gehorchen.

Muslim: Das ist, wer die Regeln der islamischen Religion befolgt und die Regeln des Islam im Leben umsetzt.

Iman (Glaube): Dem Wortsinn nach bedeutet Iman bestätigen, für wahr halten, etwas ohne Zögern und sicher von Herzen glauben. Als islamischer Begriff bedeutet er, an Gott und an die Wahrheit dessen, was Gott durch Muhammad als sicher feststehend mitgeteilt hat, ohne Zögern zu glauben.

Die Glaubensgrundsätze: Als unser Prophet Muhammad gefragt wurde, was Iman bedeutet, antwortete er:

„Iman bedeutet, zu glauben, dass es keinen Gott außer Gott gibt und dass Muhammad Gottes Diener und Gesandter ist,

an Gottes Engel,

seine Bücher,

seine Propheten,

den Jüngsten Tag,

und an die Vorherbestimmung (Qadar) – dass Gutes und Schlechtes, alles durch Gottes Bestimmung und Schöpfung geschieht.“ Diese Aussage unseres Propheten zeigt die Glaubensgrundlagen im Islam. Gehen wir kurz darauf ein.

1. Der Glaube an Gott: Gottes Dasein, seine Einheit, dass er ohne Anfang und ohne Ende ist, das heißt, dass sein Dasein keinen Beginn hat und er als Ewiger nie enden wird, dass er keinen Gleichen, keinen Ähnlichen, keinen Teilhaber, keinen Sohn und keine Tochter hat; dass sein Dasein aus sich selbst besteht und er für sein Dasein keiner anderen Sache bedarf, dass er keinem der Geschaffenen gleicht und somit von allem verschieden ist, was wir denken und uns vorstellen; dass er alles weiß, alles sieht, alles hört, zu allem die Macht hat und dass er es ist, der alles erschaffen hat. Kurz: anzuerkennen, dass er frei von jedem Mangel ist und alle Eigenschaften der Vollkommenheit besitzt, und das von Herzen und ohne Zögern zu glauben, ist für jeden verständigen Menschen, der das Jugendalter erreicht hat, Pflicht.

2. Der Glaube an die Engel: Was Gott geschaffen hat, besteht nicht nur aus dem, was wir mit unseren Augen sehen. Es gibt auch geistige und lichtvolle Wesen, die wir nicht sehen und deren Wahrheit wir nicht kennen. Die Engel gehören dazu. Von der Existenz der Engel berichten die Propheten und die göttlichen Bücher. Deshalb ist es, sie zu leugnen, wie die Propheten zu leugnen.

Die Engel sind in ihrer Erschaffung den Menschen nicht ähnlich. Sie haben keine Eigenschaften wie Essen, Trinken, männlich oder weiblich zu sein. Sie begehen keine Sünden, sie erfüllen die Aufgaben, die Gott ihnen gegeben hat. Ihre Zahl kennt niemand außer Gott.

3. Der Glaube an die Bücher: Gott hat Propheten gesandt, um den Menschen den rechten Weg zu zeigen, ihnen die Grundsätze mitzuteilen, die sie in dieser Welt und im Jenseits glücklich machen, und sie in einigen Fragen aufzuklären, deren Antworten sie mit ihrem Verstand unmöglich finden können. Einigen dieser Propheten wurden Bücher herabgesandt, die den Menschen Orientierung geben und ihnen überbracht werden sollten. Die Herabsendung von Büchern durch Gott begann mit Blättern (Sahifen). Die ersten Blätter wurden dem ersten Menschen und ersten Propheten, Adam, gesandt. Für die Bedürfnisse der damaligen Gesellschaften, deren Zahl noch äußerst begrenzt war und deren Leben und Beziehungen noch nicht komplex geworden waren, reichten diese Blätter aus.

Mit den Grundsätzen, die die Propheten brachten, und im Licht dieser Grundsätze mit den Tätigkeiten des menschlichen Verstandes, entwickelte sich die Zivilisation; als Leben und Beziehungen der Menschen komplexer wurden, sandte Gott auch umfassendere Blätter und Bücher. Die göttlichen Bücher erreichten mit dem letzten Buch, dem Koran, ihren Höhepunkt, und der Koran wurde unter göttlichen Schutz gestellt. Danach wird kein göttliches Buch mehr kommen, und der Koran wird bis zum Jüngsten Tag der Wegweiser der Menschheit sein. Die Tora wurde Moses, die Psalmen (Zabur) David und das Evangelium Jesus herabgesandt; es sind große Bücher.

Der Muslim glaubt an alle Bücher, die Gott den Propheten herabgesandt hat. Doch das einzige göttliche Buch, das bis heute so, wie Gott es herabsandte, ohne dass auch nur ein Buchstabe verändert wurde, überliefert ist, ist allein der Koran. Die anderen sind entweder ganz verloren gegangen oder von Menschen verändert worden und haben so ihre ursprüngliche Gestalt verloren. Deshalb ist es heute nicht möglich, in den anderen vorhandenen göttlichen Büchern außer dem Koran zu unterscheiden, welche Worte von Gott stammen und welche von Menschen in diese Bücher eingefügt wurden.

Ohnehin besteht seit der Herabsendung des Korans kein Bedarf mehr an den göttlichen Büchern. Ihre Geltung ist beendet. Denn der Koran hat, wie oben erwähnt, die Grundprinzipien der wahren Religion, die auch die anderen Bücher enthalten – den Glauben an Gottes Einheit, seine Propheten, seine Bücher, seine Engel und den Jüngsten Tag sowie den Schutz von Leben, Eigentum, Nachkommenschaft, Verstand und Religion –, erneut und in vollkommenster Weise dargelegt, die Wahrheiten bestätigt, die auch in früheren Büchern stehen, und das Verfälschte richtiggestellt.

4. Der Glaube an die Propheten: Gott der Erhabene hat den Menschen seine Religion durch äußerst vollkommene Menschen mitgeteilt, die er aus ihrer Mitte erwählt hat. Diese werden „Propheten“ genannt, was „Gesandter zwischen Gott und seinen Dienern“ bedeutet.

Das Prophetentum ist eine Aufgabe, die Gott denen gibt, denen er unter den Menschen will. Man erlangt sie nicht durch Bemühen. Der erste Prophet ist Adam, der letzte Prophet Muhammad (s.a.v.). Zwischen diesen beiden sind sehr viele Propheten gekommen und gegangen. Ihre Zahl kennt niemand außer Gott. Die Namen einiger von ihnen werden im Koran genannt. Jedem Volk wurden Propheten gesandt, die in seiner eigenen Sprache sprachen.

Auch die Propheten sind Menschen. Insofern gibt es zwischen ihnen und anderen Menschen in menschlichen Dingen wie Essen, Trinken, Schlafen, Ausruhen, Heiraten und Kranksein keinen Unterschied. Das ist für die Propheten kein Mangel. Die gemeinsamen Eigenschaften, die sie alle unbedingt haben müssen, sind jedoch: Sidq (Wahrhaftigkeit), Amana (Vertrauenswürdigkeit), Fatana (große Klugheit und Verstand), Tabligh (die Bestimmungen, die sie zu verkünden verpflichtet sind, den Menschen zu vermitteln). Damit die Propheten den Menschen ihr Prophetentum vermitteln können, hat Gott ihnen Wunder gegeben. Auch dem letzten Propheten Muhammad (s.a.v.) wurden viele solcher Wunder gegeben. Sein größtes und fortdauerndes Wunder ist ohne Zweifel der Koran.

5. Der Glaube an den Jüngsten Tag: Außer Gott ist kein Wesen ohne Anfang und ewig. Alle sind erst durch Gottes Schöpfung entstanden. Was später erschaffen wurde, hat auch ein Ende. Denn außer Gott ist nichts ewig und bleibend. Nachdem auch die Welt zu Ende gegangen und ihre Ordnung durcheinandergeraten ist, also nachdem das Jüngste Gericht hereingebrochen ist, werden auf Gottes Befehl alle Lebewesen wieder auferweckt. Dies nennt man die Wiederauferstehung nach dem Tod. Die Menschen werden für das, was sie in der Welt getan haben, befragt, Recht und Unrecht werden unterschieden, wer von wem ein Recht zu fordern hat, bekommt es, und jeder wird die Vergeltung für das Gute und Schlechte, das er in der Welt getan hat, bestimmt sehen. All dies zu glauben gehört ebenfalls zu den Glaubensgrundsätzen.

6. Der Glaube an die Vorherbestimmung (Qadar): Zu glauben, dass Gutes und Schlechtes, alles durch Gottes Bestimmung und Schöpfung geschieht. Qadar ist, dass Gott der Erhabene alles, was von Ewigkeit zu Ewigkeit geschehen wird, bis in die feinsten Einzelheiten weiß und bestimmt. Gott hat seinen Dienern einen Willen gegeben, mit dem sie sowohl das Gute als auch das Böse frei wählen können. Der Mensch wählt Gutes oder Schlechtes selbst. Und was er wählt, erschafft Gott. Gott der Erhabene ist jedoch nicht damit einverstanden, dass der Diener das Schlechte wählt. Deshalb werden die Diener entsprechend ihrer Wahl Vergeltung erfahren. Das ist die Bedeutung dessen, dass Gutes und Schlechtes, alles durch Gottes Schöpfung geschieht. Auch daran zu glauben gehört zu den Glaubensgrundsätzen.

Die Gottesdienste:

Gebet (Namaz): Das Gebet ist der tägliche Gottesdienst des Muslims. Nach dem Glauben steht es an erster Stelle der Pflichten, die der Muslim zu erfüllen hat. Das Gebet hält den Menschen vom Bösen fern, lässt ihn geistig reifen, entfaltet seine seelischen Fähigkeiten, reinigt ihn von Sünden und verschafft ihm seelische Ruhe. Das Gebet, eines der wichtigsten Mittel, Gott geistig näherzukommen, verschafft Gottes Wohlgefallen. Das fünfmal täglich einzeln oder in der Gemeinschaft verrichtete Gebet erinnert den Menschen stets an Gott. Der Muslim steht zur Morgendämmerung auf und beginnt den Tag, indem er zuerst das Morgengebet verrichtet und so Gottes gedenkt; mitten am Tag wendet er sich mit dem Mittagsgebet wieder ihm zu, zu einer Zeit, in der ihn die weltlichen Beschäftigungen sehr ermüdet haben, zeigt er mit dem Nachmittagsgebet, dass er seinen Schöpfer nicht vergessen hat, er erneuert mit dem Abendgebet seinen Bund mit Gott und beendet seinen Tag, und schließlich vergisst er nicht, noch einmal vor Gott zu treten und um seine Hilfe zu bitten, bevor er schlafen geht. Das freitags in der Gemeinschaft verrichtete Freitagsgebet und die zweimal im Jahr an den religiösen Festtagen verrichteten Festgebete geben den Muslimen die Möglichkeit, gemeinsam vor Gott zu treten. So unterbricht der Muslim, während er auf der einen Seite seine weltlichen Geschäfte erledigt, auf der anderen Seite niemals die Verbindung zu seinem Schöpfer, entfernt sich nicht von ihm und stellt das Gleichgewicht zwischen Diesseits und Jenseits her.

Die rituelle Waschung (Abdest): Um das Gebet verrichten zu können, ist die rituelle Waschung Voraussetzung. Die Waschung besteht darin, das Gesicht und die Hände bis zu den Ellenbogen zu waschen, den Kopf mit der nassen Hand zu bestreichen und die Füße samt den Fersen zu waschen. Die Waschung, im Wesentlichen eine geistige Reinigung, hat auch im Hinblick auf die körperliche Sauberkeit großen Nutzen.

Die Ganzkörperwaschung (Ghusl): Der Ghusl besteht darin, den ganzen Körper vom Kopf bis zu den Fußnägeln so zu waschen, dass keine trockene Stelle bleibt, einschließlich Mund und Nase. Wer Geschlechtsverkehr hatte und Frauen, deren Menstruation oder Wochenbett beendet ist, müssen den Ghusl verrichten. Außerdem ist es eine religiöse Empfehlung, dass sich jeder Muslim mindestens einmal in der Woche wäscht. Der Islam misst der Sauberkeit große Bedeutung bei. Unser Prophet sagte: „Sauberkeit ist die Hälfte des Glaubens.“

Zu den religiösen Pflichten des Muslims gehört es, in jeder Hinsicht rein zu sein. Der Körper, die Kleidung, die Orte, an denen er sich aufhält und Gottesdienst verrichtet, und das, was er isst und trinkt, müssen sauber sein.

Das Fasten (Oruç): Das mit der Absicht gehaltene Fasten, bei dem man vom Anbruch der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr verzichtet, hat viele religiöse, sittliche, soziale und gesundheitliche Vorteile.

Wer fastet, erlangt die Fähigkeit zu Geduld, zum Ertragen von Schwierigkeiten, zum Aushalten von Hunger und Durst und zur Selbstbeherrschung. Er versteht besser, was Armut und Not bedeuten. Infolgedessen gewinnt er hohe Empfindungen wie Mitgefühl, Barmherzigkeit, die Bereitschaft, anderen zu helfen und den Menschen nützlich zu sein. Er weiß den Wert seiner Gaben zu schätzen und lernt, Verschwendung zu meiden.

Das Fasten, das den Menschen geistig erhebt, stärkt den Willen des Menschen und fördert die Entwicklung von Liebe, Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber anderen.

Das Fasten, zu dem jeder verständige, gesunde und das Jugendalter erreichte Muslim verpflichtet ist, wird im Monat Ramadan gehalten, einem der Mondmonate.

Die Almosensteuer (Zakat): Zakat bedeutet, dass die nach der Religion als wohlhabend geltenden, verständigen Muslime, die das Jugendalter erreicht haben, einen bestimmten Teil ihres Vermögens – in der Regel 2,5 %, mit anderen Worten ein Vierzigstel – von Jahr zu Jahr an bedürftige Muslime geben.

Zakat bedeutet im Wörterbuch Reinheit und Zunahme. Denn es dient der Reinigung von Sünden und der Segnung des Vermögens.

Der Islam hat die Hilfe für Arme nicht dem Belieben des Einzelnen überlassen, sondern es jedem Wohlhabenden zur Pflicht gemacht, Zakat zu geben. Denn Zakat ist das Recht der Armen an dem Vermögen, das Gott den Wohlhabenden gegeben hat.

Zakat ist ein Gottesdienst, der Gottes Wohlgefallen verschafft, im Verständnis des Menschen verhindert, dass das Vermögen vom Mittel zum Zweck wird, im Menschen schöne Empfindungen wie Rücksicht auf andere, Barmherzigkeit und Güte entfaltet und den gesellschaftlichen Frieden sichert.

Die Pilgerfahrt (Hadsch): Der Hadsch, eine der Säulen des Islam, besteht darin, in den Tagen des Hadsch die Kaaba und einige heilige Orte um sie herum nach den Regeln aufzusuchen und dort zu verrichten, was zu verrichten ist. Für jeden Muslim, der dazu in der Lage ist, ist es Pflicht, einmal im Leben den Hadsch zu verrichten.

Der Hadsch ermöglicht es jedes Jahr Millionen von Muslimen, die verschiedene Sprachen, Hautfarben, Länder und Kulturen haben, aber dieselben Ziele und Absichten, gemeinsam Gottesdienst zu verrichten und sich Gott zuzuwenden, sich kennenzulernen und zusammenzuwachsen, die Probleme der Muslime zu besprechen und über gemeinsame Lösungen nachzudenken.

Die Muslime, die beim Hadsch ihre Alltagskleidung ablegen und das Pilgergewand (Ihram) anlegen, leben und lernen tatsächlich, nicht mit Reichtum zu prahlen, die Gleichheit unter den Menschen sowie den Tod und die Auferstehung nach dem Tod nicht zu vergessen.

Die für den Pilger geltenden Verbote – niemandem, nicht einmal Insekten, Schaden zuzufügen – vermitteln Güte und Barmherzigkeit gegenüber den Geschöpfen und die Fähigkeit, Schwierigkeiten geduldig zu ertragen. So haben diejenigen, die die Pflicht des Hadsch erfüllen, nicht nur ihre Pflicht des Gottesdienstes erfüllt, sondern auch die Gewohnheit erworben, ihrer Umgebung nützlich zu sein, zumindest aber nicht zu schaden.